Consulting
WENN PROJEKTE FESTSTECKEN, STATT WEITERZUKOMMEN
Nicht jedes Projekt scheitert an Technik oder Budget. Häufig ist es ein festgefahrener Konflikt, eine blockierte Entscheidung oder zwei Parteien, die einander die Verantwortung zuschreiben und damit den eigentlichen Fortschritt verhindern.
In solchen Situationen ist der neutrale Blick von außen entscheidend. Auf Grundlage von mehr als zehn Jahren internationaler Projektarbeit werden Gruppen moderiert, Positionen aufgebrochen und Beteiligte vom Streit über die Vergangenheit zu einer gemeinsamen Lösung geführt. Als externer Consultant stehe ich dabei bewusst auf keiner Seite, sondern auf der des Ergebnisses.
Mein Prinzip: Das Problem sauber definieren
Erfahrungsgemäß ist mit einer sauberen Problemdefinition rund 80 Prozent der Lösung bereits gewonnen. Am Anfang steht deshalb nicht die Lösung, sondern die gemeinsame Klärung dessen, worum es tatsächlich geht.
Je nach Aufgabenstellung wird ein Mandat mit einer Retrospektive abgeschlossen, damit die Lösung trägt und die Erkenntnisse in künftige Projekte einfließen. Denn nach dem Projekt liegt die Zukunft.
Ein Fallbeispiel aus der Beratungspraxis
"Ergebnisse entstehen nicht in der Vergangenheit."
Die Ausgangslage
Consultants werden häufig dann gerufen, wenn ein Projekt feststeckt. In diesem Fall standen sich zwei Parteien mit rund zehn beteiligten Personen gegenüber. Jede Seite beharrte auf ihrer eigenen Version der Vergangenheit: Wer hatte was gesagt, wer hatte was versprochen, wer trug die Schuld? Der Konflikt drehte sich im Kreis und blockierte jeden Fortschritt.
Der Ansatz
Statt sich in die alten Schuldfragen hineinziehen zu lassen, fiel die Wahl auf einen Perspektivwechsel. Die Beteiligten sollten selbst erfahren, wie unzuverlässig Erinnerung ist.
Als Mittel diente ein Spiel, das jeder aus Kindertagen kennt: Stille Post. Der ersten Person in der Runde wurde ein Satz zugeflüstert, der durch die gesamte Kette weitergegeben werden sollte: "Ergebnisse entstehen nicht in der Vergangenheit."
Am Ende der Kette war die Botschaft völlig verändert. Darin lag der Schlüsselmoment: Wenn schon ein einziger Satz über zehn Stationen zerfällt, wie belastbar sind dann Erinnerungen an einen Streit, der Wochen oder Monate zurückliegt? Bei der Auflösung zeigte sich zudem, dass der ursprüngliche Satz zugleich die eigentliche Botschaft trug: Der Blick gehört nach vorn, nicht zurück.
Das Vorgehen
Im nächsten Schritt wurden Teams gebildet und dabei bewusst beide Parteien durchmischt. Niemand blieb damit in seinem alten Lager gefangen. Die Aufgabe lautete nicht, die Vergangenheit zu bewerten, sondern die gegenwärtige Herausforderung klar zu definieren.
Das Ergebnis
Beide Teams kamen unabhängig voneinander zu einer nahezu identischen Problemdefinition. Damit lag für alle sichtbar vor: In der Sache bestand Einigkeit. Der Streit hatte sich nie um das eigentliche Problem gedreht, sondern allein um die Deutung der Vergangenheit. Mit einem klar definierten Problem war die Lösung bereits greifbar.
Fazit
Konflikte lösen sich nicht, indem die Vergangenheit immer wieder neu verhandelt wird. Sie lösen sich, wenn der Blick gemeinsam auf die Gegenwart gerichtet und das eigentliche Problem klar benannt wird. Denn "Ergebnisse entstehen nicht in der Vergangenheit."
Was das für Ihr Projekt bedeutet
Neutrale Moderation statt Parteinahme
Perspektivwechsel, um eingefahrene Positionen aufzubrechen
Klare Problemdefinition vor jeder Lösungssuche
Der Blick nach vorn statt die Aufarbeitung der Vergangenheit
Je nach Aufgabenstellung: Retrospektive, damit die Lösung trägt
Wenn ein Projekt festgefahren ist, hilft oft ein Blick von außen. Ein erstes Gespräch klärt, ob und wie. Direct · Raw · Honest
